Das Horror-Hospital

 Joao C.hat am Freitag, dem 9. Februar, seinen letzten großen Auftritt. Er hockt sich vor mir hin und erklärt mir, unter welchen Bedingungen ich entlassen werde. Mein Bettnachbar schüttelt im Hintergrund unentwegt mit dem Kopf. Ich sitze festgemacht in meinem Sessel und kann nicht einmal mehr mit dem Kopf schütteln. 

Er kreidet mir an, dass ich seit dem 31. Januar kein Bett mehr im 29 Madeira Hostel habe. Wenn man mich entlasse und die Polizei mich aufgreife, müsse ich damit rechnen, ins Hospital zurückgebracht zu werden. Das sei dann mein Hostel.“

Aus „SESARAM rühr dich nicht“ im Madeira Observer

Ich werde am 28. März zum Bankautomaten gehen und meine Rente in Höhe von 789 Euro abheben. Davon bezahle ich die restlichen Kosten für mein Zimmer im Residencial do Vale. Die betragen 760 Euro. Dann fahre ich mit dem Bus zum Flughafen. Mal sehen, wie lange ich dort sein muss, bis die Polizei mich mitnimmt.

Das Hospital habe ich nach meiner Entlassung wegen Freiheitsberaubung und Verletzung informeller Persönlichkeitsrechte angezeigt. Alternativ schlug ich eine Schmerzensgeldzahlung in Hoehe von 5000 Euro vor. Darauf ging man nicht ein.

Die Presse, die Leserinnen und Leser meines „Madeira Observer“, Parteien und Behörden, Freunde und Bekannte hielt ich auf dem Laufenden, die für mich zuständigen Sozialämter und das deutsche Konsulat in Funchal nahmen zur Kenntnis, die Hostels, in denen ich wohnte, dagegen halfen nach Kräften. Deswegen werde ich auch dem Residencial do Vale keinen Cent schuldig bleiben.

„Ich stöbere gerade im Internet herum. Das Hotel R Vale scheint derzeit das einzig erschwingliche Hotel zu sein, das überdas über einen längeren Zeitraum gebucht werden kann. Außerdem fühle ich mich hier sehr wohl und kann wieder ein freier Mensch werden. Zimmer, die mehr als 50 Euro am Tag kosten, kann ich mir nicht leisten, eine preisgünstige Wohnung habe ich noch nicht gefunden.“

Aus „SESARAM rühr dich nicht“ im Madeira Observer

Eine preiswerte Wohnung finde ich im März, eine in Burgdorf bei Hannover zum 29. 3., wo ich herkomme, und eine in Sao Vicente zum 22. 3. Beide kann ich mir derzeit nicht leisten. Ich bitte das Sozialamt in Burgdorf um Hilfe. Das antwortet nicht. Dann fällt mir als Autor vieler Bücher die Verwertungsgesellschaft (VG) Wort ein. Bei der landen meine mails aber erst einmal nicht, erst gestern kam eine an. Ich müsse beim Sozialwerk, einer Tochter der VG Wort, einen Antrag stellen, lautet die Auskunft. Soforthilfe sei nicht möglich. Den Antrag habe ich inzwischen bekommen.

Für einen längeren Aufenthalt auf Madeira reicht meine Rente nicht. Ich werde also am 28. zum Flughafen fahren…Beim Sozialamt in Burgdorf habe ich ein Flugticket beantragt und einen Mietvorschuss.

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